So baut ihr eine mittelalterliche Truhe

Oder: Wie man aus alten Regalbrettern noch etwas Nützliches macht

 

Im Zuge unseres kleinen Minimalismusprojektes (alles raus, was länger als ein Jahr nicht mehr angefasst wurde), musste nun auch das alte Bücherregal weichen. Yippieh! Jede Menge neuer Platz, andere Leute erfreuen sich nun an unseren alten Romanen, man sieht die Wand dahinter wieder – Allerdings stapeln sich jetzt in unserer Werkstatt eine Menge Regalbretter. Und da in diesem Haus nix weggeschmissen wird, musste irgendwas Praktisches daraus gemacht werden.

Tadaaaa! Eine Geschirrkiste ist daraus geworden. Kisten und Truhen kann man eh nie genug haben. Außerdem ist sie relativ leicht zu bauen, sodass sogar ich das hinbekommen habe. 😀

Da ich (wie eigentlich immer) ziemlich pleite war, durfte die ganze Sache auch nicht soviel kosten. Lediglich die Griffe habe ich dazugekauft. Alles andere ist Resteverwertung. Deswegen habe ich bei der Truhe komplett auf schmiedeeiserne Nägel etc. verzichtet. Sie basiert nicht auf irgendwelchen historischen Funden – also ist sie in der Form nicht für’s Living History geeignet!

Also los geht’s!

Bevor ihr loslegt:

Liebe Frauen, ein kleiner Tipp für euch: Entweder, ihr lasst die Kiste von euren Männern/Vätern/Opas bauen, oder ihr baut sie selbst. Wenn ihr es selbst versuchen wollt (und ihr bekommt das hin), schmeißt am Besten ALLE männlichen Wesen aus der Werkstatt RAUS. Ich spreche aus Erfahrung… Einfach Rasenmäher in die Hand drücken, dann sind sie beschäftigt und ihr habt eure Ruhe! Oder ein 5000-Teile-Puzzle…

Liebe Männer: Wenn eure Frau/Tochter/Enkelin die Kiste gern allein bauen möchte – LASST SIE. Wenn sie Hilfe braucht, wird sie um Rat fragen. Ich spreche aus Erfahrung. „Das geht so nicht!“, „Das musst du anders machen.“, „Soll ich das nicht lieber machen?“ möchte einfach NIEMAND hören. Und ständige Besserwisserei verschwendet nur Zeit. Also Klappe halten und den Rasen mähen.

Auch wichtig: Die Anleitung richtet sich speziell an Anfänger, die noch nicht sehr viel Erfahrung mit Holzarbeiten haben. Falls ihr schon mehr Erfahrung habt, passt sie am besten an eure Arbeitsroutine an.

Ihr benötigt:

  • 6 Holzbretter
  • Holzdübel
  • Holzleim
  • Bohrmaschine
  • Bohraufsätze
  • Schrauben
  • Hammer
  • Schraubzwingen
  • 2 Scharniere
  • 2 Griffe
  • ggf. Beize in einer Farbe eurer Wahl
  • Schleifpapier (80, 120, 180…)
  • Säge

 

Schritt 1: Die Bretter zusägen

Auf dem Bild seht ihr die Maße, die ich für meine Truhe gewählt habe. Im fertigen Zustand ist sie 30cm x 70xm x 30 xm. Die Bretter sind 2cm dick. Das Sägen müsst ihr nicht unbedingt selbst übernehmen (es sei denn, ihr wollt es und habt Spaß daran). Die meisten Baumärkte bieten es als Service an. Zur Not müsst ihr doch euren Mann/Vater/Nachbarn/Opa etc. vom Rasenmähen zurückholen und sie das machen lassen. Das gilt auch für die Männer: Wenn ihr nicht an eine Kreissäge wollt, und ich kenne einige, die das nicht mögen, dann fragt einfach jemanden, der das kann. In meinem Fall hat es Paps gemacht – ich hasse Kreissägen.

Natürlich geht das auch mit einer Handsäge, dauert halt länger.

 

Schritt 2: Alles zusammenleimen

Jepp, jetzt geht es auch schon an den Holzleim. Wie oben schon beschrieben, kommt die Kiste (fast) ohne Nägel und Schrauben aus.

Damit der Leim besser abtropfen kann, habe ich das Bodenbrett auf zwei Leisten gelegt. Dadurch klebt es später nicht am Tisch fest. Die langen Seitenteile kommen zuerst.

Alles schön mit Kleber einschmieren und danach mit Schraubzwingen befestigen. Ihr müsst keine 24h warten, bis der Leim komplett durchgehärtet ist. Ich hab dann erstmal Mittagessen gekocht und danach war es schon so fest, dass ich die Befestigungen abmachen konnte.

Danach geht’s mit den kurzen Seiten weiter. Wenn ihr Probleme habt, diese wirklich passgenau einzusetzen, könnt ihr einen kleinen Hammer nehmen und sie (vorsichtig) in die richtige Position hämmern. Jetzt habe ich aber wirklich 24h gewartet, bis alles richtig fest war.

Schritt 3: Die Holzdübel einsetzen

Natürlich könntet ihr die Truhe schon so lassen. Vor allem, wenn ihr sie nur zuhause nutzen wollt, reicht es vollkommen, wenn sie nur geleimt ist. Wollt ihr sie , wie ich, mit zum Lagern nehmen, würde ich sie defintiv noch mit Dübeln verstärken. Dann fällt sie beim ersten Regen nicht auseinander und ihr müsst euch darüber keine Gedanken mehr machen.

Also schnappt euch eure Bohrmaschine und einen Aufsatz, der genauso breit ist wie eure Holzdübel. Das ist wichtig, damit sie gut halten und ihr sie gut reinschlagen könnt. Jetzt wird es ein wenig kniffelig (auch für mich, die euch das beschreiben will):

  • Die Dübel sollten nur an den beiden langen Seiten zu sehen sein (schön für die Optik)
  • Ihr müsst durch beide zu verbindenden Bretter bohren, aber nicht weiter, als der Dübel lang ist.

So, das klingt komplizierter, als es ist. Am einfachsten ist es, wenn die Kiste auf einer Längsseite liegt. Dann nehmt ihr die halbe Brettstärke und zeichnet die am Rand an. Meine Bretter sind, wie beschrieben, 2cm breit, also habe ich mit 1cm Abstand einen Strich gezogen (den sieht man noch recht schwach auf dem Bild).

Als nächstes bestimmt ihr, wie viele Dübel ihr einsetzen wollt. Ich habe auf der kurzen Seite drei, auf dem Brett, das mit dem Boden verbunden wird, vier gewählt. Da, wo sie später hinsollen, macht ihr euch schon mal Punkte. Natürlich in möglichst gleichmäßigem Abstand.

Bleibt noch das Problem mit der Bohrtiefe. Wie ihr auf dem Bild sehen könnt, habe ich einen Tiefenbegrenzer benutzt. Da sicherlich nicht jeder sowas zuhause hat, gibt es noch eine andere Möglichkeit: Ihr messt auf dem Bohrer ab, wie tief ihr bohren wollt (ungefähr 5mm kürzer als die Dübel) und markiert euch die Stelle mit Duct Tape oder Malerkrepp. Jetzt seht ihr, wie weit ihr bohren könnt.

Danach lasst ihr wieder ein wenig Holzleim in die gebohrten Löcher laufen und steckt die Holzdübel rein. Dann nur noch einmal fest mit dem Hammer draufhauen und trocknen lassen.

Und so sollte es danach aussehen. Nun könnt ihr euch auf die Couch hauen und Netflix gucken – und alles schön trocknen lassen.

Schritt 4: Die überstehenden Dübel absägen

Als nächsten schnappt ihr euch eine kleine Säge und sägt damit alle Enden ab die überstehen. Wenn noch Unebenheiten da sein sollten, ist das nicht schlimm. Die könnt ihr wegschleifen. Theoretisch könntet ihr die Dübel auch gleich abschleifen, das erfordert aber eine Menge Geduld und dauert wesentlich länger.

Schritt 5: Abschleifen

Mag ein wenig komisch klingen, da ja weder Griffe noch Deckel bis jetzt drangebaut sind. Allerdings lässt sich die Kiste mit Griffen und Deckel wesentlich schwieriger abschleifen, weshalb ich das jetzt schon mache. Den Deckel nicht vergessen!

Die Körnung des Schleifpapiers müsst ihr ein wenig von eurem Holz abhängig machen. Bei mir waren es 80, 150, 180, 220. Da am besten nach dem Gefühl gehen. Wenn es glatt genug für euch ist, ist es richtig.

Sollte ihr eure Truhe noch beizen wollen, wäre jetzt auch der richtige Zeitpunkt dafür.

Schritt 6: Die Griffe einbauen

Ich sag‘ euch eins: das war nervig! Ich habe leider Gottes Griffe mit Splinten gehabt, die sich sehr schwer auseinanderbiegen ließen. Das war dann der Punkt, an dem ich die Männer um Rat gebeten habe :D. Völlig frustriert habe ich die Splinte des zweiten Griffes durch Ringösen ersetzt. Die kann man schrauben, ist also deutlich einfacher und für Anfänger eher geeignet.

Hier messt ihr einmal den Durchmesser der Schrauben/Splinte und dann nochmal, wie weit die Ringe auseinander stehen sollen. Danach zwei Löcher bohren und durchstecken.

Zum Schluss vorsichtig mit dem Hammer draufhauen, damit alles sitzt und dann entweder die Splinte umbiegen oder die Schrauben mit einer Mutter befestigen.

Auf dem Bild seht ihr die Variante mit den Splinten. Wie gesagt – Für Anfänger nicht zu empfehlen.

Falls ihr euch keine geschmiedeten Griffe zulegen möchtet, rate ich euch zu dicken Seilen, die ihr in der Kiste verknotet.

Schritt 7: Den Deckel anbauen

Ihr habt es fast geschafft! Zum Schluss setzt ihr nur noch den Deckel auf die Kiste und schraubt die Scharniere fest. Das geht einfacher, wenn ihr euch die Punkte für die Schrauben vorher anzeichnet und mit einem etwas kleineren Bohrer vorbohrt. Nur etwa 3-4mm, das reicht schon. Dann haben die Schrauben ein wenig mehr Halt und ihr es leichter.

Und die Scharniere kommen selbstverständlich außen dran. 😀

Richtige mittelalterlich wirkenden Scharniere sind leider ziemlich teuer. Deswegen habe ich bei der Kiste einfache Scharniere aus dem Baumarkt geholt und mit Metallfarbe schwarz lackiert. Wenn sie vorher gut entfettet werden, hält das ziemlich gut und ist in meinen Augen eine preiswerte Lösung. Klar, es ist überhaupt nicht A, fällt aber nicht ganz so stark auf.

Und dann habt ihr es geschafft! Eine schlichte, aber dafür einfach zu bauende Kiste, in der ihr alles Mögliche verstauen könnt. Auch in Sachen Verzierung sind euch keine Grenzen gesetzt. Ich werde euch mal bei Gelegenheit zeigen, wie ich meine Geschirrkiste gestaltet habe. Das ist erstmal der Grundbau, daraus könnt ihr machen, was ihr möchtet!

Wie sehen denn eure Kisten und Truhen aus? Es gibt ja tausend verschiedene Varianten. Woraus habt ihr sie gebaut? Oder wird das dann eure erste Selbstgebaute?

Ich hoffe, die Anleitung war halbwegs verständlich und dass ihr jetzt auch Lust bekommen habt, eure alten Bretter zu etwas Schönem und Praktischem zu machen! Falls ihr noch Fragen habt, schickt mir doch gern eine Nachricht und einen Kommentar.

Bis dahin, viel Spaß beim Bauen!

Möhrchen

 

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8 Gedanken zu „So baut ihr eine mittelalterliche Truhe

  1. Lilli

    Liebe Mörchen,

    gerade bin ich auf deine Seite gestoßen und geradezu verzückt! Genau, was ich gesucht habe: Anleitung zum Kisten Bauen, Tipps zur ersten Gewandung, Werzeugrollen herstellen usw.

    Und das ganze sehr ansprechend geschrieben!

    Vielen Dank von Deiner neuen Leserin!

    Lilli

    • Möhrchen

      Huhu liebe Lilli,
      Ich freue mich wirklich sehr, dass dir mein Blog gefällt! Der erste Kommentar auf meiner Seite und gleich so ein lieber, motivierender! Das ist wirklich toll, danke.
      Ich hoffe, dass du auch weiterhin so viel Spaß beim Lesen hast.
      Hab einen schönen Tag 🙂

      Möhrchen

  2. Tobi

    Hallo Möhrchen,

    super Truhe. Gefällt mir sehr gut.

    Kannst du vielleicht noch schreiben, wie du die innere Aufteilung gemacht hast, finde v.a. die kleine Kiste toll. Wie hast du die Leisten befestigt auf denen die kleine Kiste steht. Hast du das Innere mit Filz bezogen. Wie geht das am besten?

    Würde mich über ne Beschreibung freuen.

    Liebe Grüße
    Tobi

    • Huhu lieber Tobi,
      Dankeschön für den lieben Kommentar! Am besten mache ich mal einen ganzen Blogpost zu dem Thema. Wenn ich dir jetzt sage, dass die Leisten mit Messingschrauben befestigt sind und der Filz mit Sprühkleber, hilft dir das wahrscheinlich nicht sehr viel 😀 Ich setze mich die Woche mal dran, dann gibt es eine ausführliche Beschreibung 🙂
      Liebe Grüße und einen schönen Sonntag wünsche ich dir!
      Möhrchen

  3. Tobi

    Hey Möhrchen,

    Super, freu mich schon.

    Habe mir heute im Baumarkt die Bretter zuschneiden lassen, kostet nicht mehr und macht dann in der Werkstatt weniger Arbeit ????. Mir ist aufgefallen, dass der Boden auch 60 cm lang sein müsste….??

    Dir ein schönes Wochenende.

    Gruß
    Tobi

    • Ohhh gut, dass dir das aufgefallen ist. Wenn die Truhe 60cm lang sein soll, dann muss der Boden natürlich auch 60cm werden. Bei 70cm dann natürlich 70cm. Habe es auch sofort geändert, vielen vielen Dank! Blogpost zur Küchenkiste ist auch schon in Arbeit. Viel Spaß beim Bauen! 🙂
      Liebe Grüße
      Möhrchen

  4. Nadine

    Hallo Möhrchen, ich bin gerade auf deine Seite gestoßen. Wir haben vor einigen Jahren auch eine Truhe selbst gebaut, allerdings haben wir nicht das Seitenteil eingepasst, sondern die Vorder-, Rück- und Unterseite, was nachträglich gesehen etwas umständlicher ist als deine Version, die mir auch sehr gut gefällt. Bei unserer Truhe sind die Nägel seitlich eingeschlagen und man sieht sie nicht, wenn man von vorne drauf schaut. Die Seitenwand haben wir etwas länger gemacht, so hat die Truhe „Füße“ und würde nicht ganz so nass werden, wenn sie auf Gras stehen würde. Wir haben es übrigens mit schmiedeeisernen (Mittelalter-) Nägeln versucht. Ging total in die Hose .. das Holz aus dem Baumarkt war zu weich und wurde so auseinander gedrückt, dass das Brett kaputt ging – hätte man vllt. ein kleines Loch vorbohren müssen…

    LG Nadine

  5. Hannes

    Hallo Möhrchen,
    ich schreibe den Kommentar mal unter den Kisten-Blog, weil ich dadurch auf deine Seite gestoßen bin auf der Suche nach einem Lager-Regal (hmm, wo ist der Fehler?). Ich dachte mir sofort: Genau so, naja fast, sieht unsere auch aus! Ich habe im letzten Sommer den Lattenrost eines alten Bettes meiner Frau (diese billigen IKEA-Dinger sind dafür wirklich top!) in eine solche Kiste verwandelt. Optik, Farbe, die lackierten Baumarkt-Scharniere… 1:1 könnte man sagen … bis auf die Griffe … beim ersten Mal das Ding in den Kofferraum tragen (aus der dritten Etage natürlich) habe ich festgestellt, dass so etwas durchaus Sinn machen würde 🙂
    Wir verwenden die Kiste zur Deko im Wohnzimmer und nehmen sie mit zum „lagerlich angehauchten Festival-Campen“.
    Danke jedenfalls für deine Beiträge auf der Seite, da sind interessante Sachen dabei und machen direkt Lust darauf, weiter zu basteln.
    Liebe Grüße aus Berlin.

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