Worst-Case-Szenario: Die Autopanne

Manchmal geht einfach alles schief

Kennt ihr diese Momente im Leben, in denen ihr der Meinung seid, es könnte nicht besser laufen? Diese entspannte Zuversicht, dass alles perfekt geplant ist, ihr genug Zeit habt und wirklich NICHTS schief gehen kann? Voller Ruhe und Gelassenheit macht ihr euch an die Arbeit, freut euch, auf die bevorstehende Zeit, und dann… Verschwört sich das Universum gegen euch, der Ruheturm fällt in sich zusammen und es wird der schrecklichste Tag eures Lebens.

Das, liebe Leute, ist mir auf der Fahrt nach Berlin passiert. Und da ich mittlerweile herzlich darüber lachen kann, möchte ich die Geschichte meiner gruselig-anstrengenden Autopanne nicht vorenthalten. Zumal ich aus dieser Fahrt einiges gelernt habe, sodass ich nach dieser Schilderung hoffentlich nicht die selben Fehler begeht wie ich. Doch nun mal ganz von vorn…

Anzeige

Freitag, 6:30 Uhr

Gut, ich muss gestehen, dass der Tag für den Start in ein Lagerwochenende nicht ganz optimal lief. Irgendwie hatte ich nur 3h geschlafen, da die Hitze mich in der Nacht zuvor einfach nur fertig gemacht hat. Also schonmal ziemlich verpennt und unausgeglichen aufgestanden. Das Fahrzeug war bereits beladen (eigentlich war es seit Rastede nicht ENTladen worden), also musste ich mir darüber zumindest keine Gedanken mehr machen. Lediglich das Essen und Feuerholz musste noch verstaut werden – kein Problem.

Vielleicht hätte ich mir beim Einladen evtl. Schuhe anziehen sollen, denn nackte Füße haben die Angewohnheit, so unglaublich verletzbar zu sein. Und es kommt, wie es kommen musste: zu schwere Kiste gepackt, Balance nicht gehalten und während des Taumelns mit dem Fuß an irgendeiner fiesen Steinkante abgerutscht. Aua! Haut vom Zeh abgeschürft. Unschön! Aber was eine echte Schildmaid sein möchte, beißt die Zähne zusammen und hört auf zu jammern! Oder?

7:45 Uhr

Etliche böse Flüche später war dann doch alles verladen und die „große“ Fahrt konnte beginnen. Für knapp 120km habe ich großzügig 2h berechnet – sollte also pünktlich zur Platzvergabe erscheinen. Denkste! Ich war keine zwei Dörfer weiter, da fing es auch schon sintflutartig an zu schütten… Gut, dafür sitzt man im Auto und nicht auf dem Motorrad, also Who cares?

Auf der A9 angekommen war bis auf ein wenig Aquaplaning auch nichts Spannendes, zumindest nichts, was mich in der Hinsicht schocken könnte. Erste Baustelle – super, zweite Baustelle – super, dritte Baustelle – Stau. Aber das clevere Möhrchen hatte diesen ja bereits mit einberechnet, also auch nichts Tragisches. Doch dann wurde das clevere Möhrchen zu einem ziemlich Dummen, denn es stellte den Motor ab.

9:20 Uhr

Mittlerweile stand ich da ganz schön lange im Stau. Das Radio lief munter weiter, Handy und Kühltruhe hatte ich in die Bordspannungssteckdosen gesteckt, damit sie auch weiter mit Strom versorgt werden. Und es kam, wie es kommen musste: Der Stau bewegte sich, ich wollte den Motor starten – und das Auto sagt: „NEIN“. Nix. Nada. Niente. Mein oller Pickup wollte einfach nicht starten. Mitten in der Baustelle. Ich sag euch eins: Ich habe noch nie so viel geschwitzt.

Also erstmal raus aus dem Auto, Warnweste an und ADAC angerufen. Blöderweise bin weder ich, noch mein Vater, im ADAC, also blieb nur die Selbstzahleroption. Das tut beim Telefonieren schon richtig weh. Aber gut, irgendwie muss das Auto ja von der Straße, bevor noch mehr Autofahrer um mich herum Amoklaufen. Apropos…

Was ich den Autofahrern noch sagen wollte:

Liebe Autofahrer, die am Freitag morgen auf der A10 an mir vorbeigebrettert sind:

  • Mein Auto springt nicht wieder an, wenn ihr permanent hupt. Netter Versuch.
  • Es wäre schön gewesen, wenn ihr so viel Abstand zu meinem Auto gelassen hättet, dass ich zumindest die „Unfallstelle“ hätte absichern können.
  • Nein, ich bin nicht zu blöd zum Autofahren, mein Auto wollte nur einfach nicht.
  • Nein, ich bin nicht in der Lage, mein Auto allein in den abgesperrten Bereich zu schieben. Dazu benötigt es nämlich immer mindestens ZWEI Leute. Einer im Auto, einer der schiebt.
  • Es ist in Ordnung, dass ihr mir nicht helfen wollt. Wirklich. Aber es ist nicht in Ordnung, wenn ihr als gestandene Männer ein 1,57m kleines Mädchen anpöbelt, dass gerade fast weinend neben ihrem Auto steht. Das macht man nicht. Auch nicht, wenn ihr Stress habt, zur Arbeit müsst oder dringend auf’s Klo wollt. Ich möchte in solch einer eh schon mega doofen Situation nicht noch beleidigt werden. Euch kann es genauso passieren – immer daran denken!

Zum Glück kam ein Auto der Straßenmeisterei vorbei und hat das Auto aus der Baustelle geschoben. So war die größte Gefahr erstmal vorbei. (Ich bin ja wirklich zwischenzeitlich davon ausgegangen, dass mir noch jemand ins Auto fährt. Glück im Unglück)

Einmal Abschleppen, bitte

Der ADAC ließ dann auch nicht lange auf sich warten. Innerhalb kürzester Zeit war der Pickup dann auf dem Pickupcar (höhö) und los ging’s Richtung Werkstatt. Blöderweise war innerhalb der Baustelle noch ein Unfall mit Vollsperrung, sodass wir erstmal noch eine ganze, ganze Weile dort standen. Als Selbstzahler ist das mehr als ärgerlich (pro Stunde 100€). Gott sei Dank lief gute Musik im Auto. Andernfalls wäre ICH kurz vor’m Amoklauf gewesen.

Nach einer 15-minütigen Stehparty auf der Autobahn, ging es dann doch weiter. Mittlerweile war es halb 12 Uhr, gegessen hatte ich auch noch nichts und meine Laune hätte schlechter nicht sein können.

Achja, bis wir bei der Werkstatt ankamen. Die war nämlich komplett überfüllt. Kein Parkplatz mehr, nichts. Und das gelangweilte „Sorry, müssen wa ma schau’n, wann wa uns dit anschauen könn“ hat meine Laune nicht unbedingt gebessert. So sitzt man da, die ersten Lagerkollegen posten fröhlich Bilder von ihren bereits aufgebauten Zelten. Man selbst möchte einfach nur eine neue Batterie. Und Frühstück. Und jemand, der knuddeln kommt und sagt „wird alles wieder gut“. Nix da, nur Hitze, Langeweile und „Freunde“, die dumme Witze reißen. Gaaanz toll.

Anscheinend muss ich dann aber doch so unglücklich dreingeschaut haben, dass die Mechaniker mich doch noch irgendwo zwischenschieben konnten. Immerhin nur 1 1/2h warten. Nicht 5h. Und siehe da, das Auto benötigte eine neue Batterie, die war ,Gott sei Dank, auf Lager und konnte sofort eingebaut werden. Der Horror war vorbei! Ich musste nicht irgendwo im nirgendwo übernachten, mit dem Zug nach Hause fahren oder nach Berlin trampen. Ihr glaubt gar nicht, wie sehr ich mich gefreut habe.

Was ich daraus gelernt habe

 Berlin war bis jetzt der absolut teuerste Markt ever. Mal meine ganzen verlorenen Nerven nicht dazu gerechnet, habe ich 240€ für’s Abschleppen und 184€ für die neue Batterie bezahlt. Das tat weh, das sag‘ ich euch. Und 10h für 120km? Ich hoffe, nie wieder! Also hier sind meine Erfahrungen aus diesem Erlebnis einmal aufgezählt:

  • eine Mitgliedschaft in einem Automobilclub lohnt sich. Andernfalls immer einen Schutzbrief bei der Versicherung abschließen. (Da das Auto offiziell Paps‘ Auto ist, hatte es natürlich keinen. Pech gehabt!)
  • Immer mehr Zeit und Geld einplanen als nötig.
  • Niemals auf die Anderen verlassen: Es hilft keiner und die Freunde lachen dich nur aus.
  • Egal wie gut ihr geplant habt: Es kann IMMER was passieren. Man sollte keine Angst davor haben, aber es immer im Hinterkopf behalten.
  • Ganz wichtig: Ruhe bewahren. Kurzzeitiges Heulen ist vollkommen in Ordnung, aber danach solltet ihr euch wieder fangen. Klar ist es Mist, anstrengend und teilweise sehr angsteinflößend, wenn ihr mitten auf der Autobahn stehen bleibt. Aber irgendwann ist es vorbei. Irgendwann ist alles geregelt, dann könnt ihr wieder durchatmen.

In meinem Fall gab es keine Verletze, darüber bin ich sehr froh. Es war wirklich „nur“ eine Autopanne, kein Unfall oder ähnliches. Aber selbst vor Unfällen ist man nicht immer zu 100% geschützt. Deswegen bitte, bitte immer vorausschauend fahren, nicht übermüdet ans Steuer setzen und vor allem nicht rasen. Die meisten Lageristen besitzen nunmal große Autos oder fahren mit Anhänger. Damit muss man nicht 160 km/h fahren (gut, darf man mit Anhänger auch nicht), sich auf die linke Spur drängeln oder sonst irgendeinen Blödsinn auf der Autobahn abziehen. Wie sagt mein Paps immer? „Lieber erst um 12 zuhaus‘, als halb 11 im Krankenhaus“… oder so ähnlich. Ihr wisst, was ich meine.

Falls ihr euch unsicher seid, was im Falle eines Unfalls oder einer Panne zu tun ist, gibt es hier noch eine, in meinen Augen, ganz gute Übersicht.

Ich hoffe für euch, dass ihr noch keine Horror-Anreise irgendwo hin hattet und wenn, ihr sie trotzdem gut überstanden habt! Ansonsten wünsche ich euch allzeit gute Fahrt und dass ihr nie das Pech habt, mit eurem Auto in der Baustelle liegen zu bleiben.

Möhrchen

Anzeige

9 Gedanken zu „Worst-Case-Szenario: Die Autopanne

  1. Grey

    Gut geschrieben!
    Und ganzschön nachvollziehbar. Gottseidank gehen auch die schlimmsten Tage irgendwann vorbei, auch wenns immer erstmal nicht so scheint.
    Schön, dass du heile angekommen bist! 🙂

  2. Ann Le Feye

    Ich knuddle dich mal, Möhrchen. Sozusagen mit einem „Gut-gemacht-undkühlen-Kopf-bewahrt-Hochachtungs-Knuddeln“. Klasse, wie du aus deiner Misere noch so einen tollen Beitrag gemacht hast.

  3. Digne

    Mitgefühl! Vollstes. Und Hutab zur gelungenen Aufarbeitung.

    Ich hab ja eh den Eindruck, dass das Universum Spaß dran hat, Dinge kumulieren zulassen. Dein Beispiel ist typisch, aber schon von der extremeren Sorte.

    Was mir noch einfällt; das Navi zeigt ja den Weg, aber leider schweigt es sich aus, wenns um nen Hinweis auf persönliche Zuständigkeit ginge. Um offenbar dringend gefragte pure menschliche Zuwendung.
    Aber für sowas Analoges sind die digitalen Krücken natürlich nicht gemacht.

    (Es wird dich nicht trösten, aber ich schnappe grad nach Luft nach einem TaufWE, zu dem zwei meiner Töchter auch noch ihre persönlichen und beziehungstechnischen Probs importierten. Havariert habe aber finally ich.)

    • Huhu Digne,
      Vielen Dank für den lieben Kommentar. Ja, manchmal läuft es einfach nicht… oder bergab ohne bremsen. Aber solange man hinterher lachen kann, war’s ja halb so schlimm. Aber wäre ja schon spannend, so ein Navi, das plötzlich „Achtung, ein Unfall. Bitte steigen Sie aus und erkundigen Sie sich nach der Unversehrtheit der Beteiligten“. Vielleicht in 20 Jahren 😀
      Ich hoffe, du konntest nach der Taufe ein wenig entspannen und schmunzelst jetzt auch darüber.
      Viele liebe Grüße
      Möhrchen

  4. Kaen-Ryu

    Liebe Möhrchen,
    dass ist natürlich echt blöd gelaufen und da kann man wirklich nur sagen: Glück gehabt, dass nichts ernsteres passiert ist!
    Ich finde es allerdings auch sehr schade, dass niemand mal die Größe in sich hatte und half. Ein Auto in die Baustelle und aus der Gefahrenzone bringen ist ja nun wirklich keine große Sache.
    Also auch von mir, an die vorbei gefahrenen Autos: schämt Euch!

    Uns ist sowas glücklicherweise noch nicht passiert…toi…toi….toi das es so bleibt! Wir haben natürlich kein ganzes Lager mit Zelt und Ausrüstung und Nahrungsmittel dabei, aber für solche Fälle haben wir uns auch vorbereitet. Im Kofferraum sind Wasserflaschen, Decken, Toilettenpapier und Mülltüten bereit gestellt. Speisen nehmen wir aber nie mit….hm das sollten wir überdenken, wenn wir Beispielsweise jetzt Ende Juni nach Weil am Rhein fahren…

    • Huhu Kaen,
      Ja, so ist das leider… schimpfen können sie alle, helfen tun die Wenigsten. Aber gut, da steht man drüber, nicht wahr?
      Stimmt, es ist ja bald soweit! Ich wünsche euch auf jeden Fall ganz viel Spaß in Weil am Rhein 🙂
      Liebe Grüße
      Möhrchen

  5. Kaen-Ryu

    Vielen Dank,
    schade, dass ich niemanden treffen kann von hier. Samstag sind meine Ovalfibeln gekommen. Sie sind eigentlich mein Geburtstagsgeschenk, aber ich muss ja prüfen, ob sie auch heil angekommen sind 😉 hihi

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.