Rezension: Karfunkels „ABC des Selbermachens“

Das Karfunkel-Special 2013

Ich habe mal wieder meine Leidenschaft für Bücher und Geschriebenes rausgekramt und mir überlegt, welche Lektüre ich euch für den Winter ans Herz legen kann. Der ist ja bekanntlich lang (und kalt und dunkel). Also habe ich ein wenig in meinem Bücherschrank gestöbert und bin auf das „ABC des Selbermachens“ von Karfunkel gestoßen. Das liegt da schon ein wenig. Herausgegeben wurde es nämlich bereits 2013. Aber ich denke, es könnte dennoch interessant für den einen oder anderen von euch sein. Außerdem ist es immer noch online erhältlich, sodass es (zur Zeit) keine Beschaffungsprobleme geben sollte. Aber dazu später mehr, lasst uns erstmal mit der Rezension starten!

Was ist „Karfunkel“?

Karfunkel ist eine der größten Zeitschriften der Mittelalterszene. Thematisch richtet sie sich größtenteils an historisch Interessierte und Reenactors. Also viel Geschichtliches. Meist geht es ums europäische Mittelalter, ab und an findet man dort aber auch Artikel über die Antike, die Barockzeit oder anderen Epochen. Dazu gibt es immer einen umfangreichen Marktkalender, in dem alle möglichen Mittelalterveranstaltungen eingetragen sind. Und natürlich findet man dort auch praktische Tipps für das Hobby, wie Schnittmuster, Kochrezepte oder Bauanleitungen.

Ziemlich breit gefächert, sozusagen. Einmal im Jahr gibt es auch den „Karfunkel Codex“, das sind dann Sonderhefte, die ein bestimmtes Thema beleuchten. Bis jetzt gab es zum Beispiel schon ein Wikinger-Sonderheft, eines über Schottland, eins über Templer… Was die Szene halt so interessiert. Hier habt ihr eine Auflistung aller bisher erschienenen Codex-Hefte.

Und 2013 hat der Karfunkel-Verlag das „ABC des Selbermachens“ herausgegeben. Eine ziemlich bunte Sammlung aller möglichen Dinge, die ein Heerlagerist zuhause basteln kann. Und damit meine ich wirklich bunt. Vom Langbogen über die Lederflasche bis zum Scherenstuhl… Für alles gibt es in dem Heft Anleitungen. Also voll was für Möhrchen 😀

 

Der Aufbau des Heftes

Oben auf dem Bild seht ihr nochmal genau, welche Bastelanleitungen ihr im „ABC des Selbermachens“ findet. Zu allererst gibt es aber eine Einführung in die Arbeit mit Quellen und Funden, die für das Living History natürlich sehr wichtig ist. Dann folgt eine, wie ich finde, ziemlich putzige Erklärung der Frage „Warum also selber machen?“, in der auch Aspekte wie der eigene historische Anspruch erläutert werden. Finde ich echt gut! Auch zur Arbeitssicherheit wird Stellung genommen. Mein neuer Lieblingssatz:

“ Die Grenzen der Authenzität sind spätestens dann erreicht, wenn die eigene oder fremde Gesundheit, Sicherheit oder Unversehrtheit gefährdet sind, auch wenn das Tragen von Schutzbrille und Gummihandschuhen das mittelalterliche Gesamtbild stört.“

Seite 15, letzter Absatz

Den werde ich mir auf ein Schild drucken und an die Werkstatttür hängen! 😀

Danach kommen dann die ganzen Anleitungen, thematisch geordnet und mit sehr viel geschichtlichem Background.

Zum Schluss gibt es dann noch ein paar Pflegetipps, so ähnlich wie das, was ich in meinem Nachbereitungspost schon angesprochen hatte. Nur noch viel umfangreicher! Und vor allem mit historischem Bezug. Also nicht so wie das faule Möhrchen, das einfach Ballistol auf (fast) alles schmiert und gut ist! Da wird der Rostschutz selbst gemischt. Finde ich sehr interessant und gerade für Reenactors äußerst praktisch.

Die Anleitungen

Kommen wir nun zum Wichtigsten. Ein DIY-Heft mit schlechten Anleitungen ist schließlich Mist, nicht wahr? Aber ich muss sagen, dass die meisten Anleitungen durchaus verständlich geschrieben sind. Es haben mehrere Autoren an der Ausgabe gearbeitet, sodass sie sich natürlich ein wenig in Aufbau und Schreibstil voneinander unterscheiden. Bei einigen Sachen hätte ich mir evtl. größere und deutlichere Bilder gewünscht. Aber das waren recht wenige. Es gibt auf jeden Fall immer eine Material- und Werkzeugliste,  bei manchen hat man sogar eine Kurzübersicht der Arbeitsschritte. Das ist mega praktisch, wenn man den Artikel schon fünf mal durchgelesen hat und nur wissen möchte, was man als nächstes machen muss. Alles in Allem gefallen mir die Artikel ziemlich gut. ABER…

Nicht für Anfänger geeignet

Jetzt kommt leider der Punkt, an dem ich auch mal ein wenig meckern muss. Meiner Meinung nach sind wenige Projekte komplett für Anfänger geeignet. Das finde ich sehr schade, zumal am Anfang ja erklärt wurde, wie man sich dem Thema „authentisches Handwerken“ erstmal nähert. Klar, ein Paternoster bekommt man auch hin, wenn man noch nie Perlen in der Hand hatte. Aber ein Langbogen oder ein Scherenstuhl ist für den Anfang vielleicht etwas übereifrig. (Den Scherenstuhl fand selbst mein Paps kompliziert. Und das soll schon was heißen… Ich hab vor allen Holzarbeiten Respekt, die Paps als „kompliziert“ einstuft.)

Mir fehlen ein wenig die typischen „Einsteiger-Projekte“. Eine Lagertafel, eine Holztruhe, ein Steckstuhl (muss ja nicht die afrikanische Gebärstuhl-Variante sein) – eben alles, was man als frisch gebackener Heerlagerist so braucht. Einzig ein Seilbett findet man in „ABC des Selbermachens“. Und aus eigener Erfahrung weiß ich: Man sollte mit den einfachen Dingen anfangen, damit es nicht zu Frust führt. Und die sind leider ein wenig zu kurz gekommen.

Aber für fortgeschrittene Bastler, die neue Ideen für Bastelarbeiten benötigen, ist das Heft top! Keine Frage.

Die interessantesten Artikel:

Ouuuh das ist schwierig. Ich persönlich fand das Thema „Grubenbrand“ am spannendsten. Das ist auch etwas, das ich sehr gerne ausprobieren möchte. Und auf jeden Fall werde ich mir so eine coole Lederflasche bauen. Das ist so sicher, wie das Amen in der Kirche! Und die Geldkatze… Ach, bestimmt hab ich in ein paar Jahren das halbe Heft nachgebaut. Bis auf den Scherenstuhl, vor dem habe ich schließlich Respekt. Aber egal, es gibt auf jeden Fall eine Menge auszuprobieren!

Mein Fazit:

Das finde ich toll:

  • viele gut geschriebene und bebilderte Anleitungen
  • gut recherchierte historische Hintergrundinformationen
  • Werkzeuglisten und Kurzübersichten der Arbeitsschritte
  • toller Artikel zur Instandhaltung und Pflege
  • Anleitungen aus allen möglichen Kategorien
  • Preis ist angemessen (8,90€)

 

Das könnte noch verbessert werden:

  • wenig Projekte für Anfänger
  • teilweise zu kleine Bilder
  • einige Artikel zu kompliziert
  • keine Anleitungen für Truhe, Tische etc.

Alles in allem ein tolles Heft für fortgeschrittene Reenactors, die Lust auf ausgefallenere Bauprojekte haben. Auch Bastelwütige aus dem Histotaiment oder Larp, finden hier Ideen und Inspirationen.

Alle Infos zum Heft sowie Bezugsquelle

Titel: Karfunkel – Special 2013: „ABC des Selbermachens“, gibt’s hier

ISBN: 978-3-935616-57-5

ISSN: 0944 – 2677

Verlag: Karfunkel Verlag

Preis: 8,90€

 

Was haltet ihr von dem Heft? Und wo bekommt ihr die Anleitungen für eure kreativen Werke her? Habt ihr schonmal etwas selbst gebaut oder wollt ihr jetzt damit anfangen? Schreibt mir doch einen Kommentar und erzählt mir, wie ihr das mit dem „Selbermachen“ haltet!

Habt ansonsten eine schöne Woche und versucht nicht zu erfrieren 😀

Möhrchen

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2 Gedanken zu „Rezension: Karfunkels „ABC des Selbermachens“

  1. Martin Wurbs

    Hey Möhrchen wie immer sehr genial geschrieben!!!
    Wenn du mal Lust verspürst mit zu zeigen wie man einen Langbogen baut schick mir ne Materialliste und ich komm vorbei bei Dir 😉

    MfG Sachse

    • Hey Sachse,
      Ich verspreche dir, dass wir einen Langbogen zusammen bauen, wenn uns mal super mega langweilig ist und wir nicht wissen, was wir machen sollen 😀 Dankeschön für den lieben Kommentar!
      Liebe Grüße
      Möhrchen

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