Ist selber nähen wirklich günstiger?

Gewandung selber nähen – und dabei Geld sparen?

Im letzten Blogpost ging es ja bereits darum, wie ihr günstig an eure neue Mittelalter Gewandung kommt. Dem einen oder anderen aufmerksamen Leser mag dabei aufgefallen sein, dass „Selber nähen“ es nicht in die Liste der Tipps geschafft hat. Warum eigentlich nicht? So ein bisschen Stoff ist ja wesentlich günstiger, als das Kleid von der Stange. Also theoretisch schon günstig – aber praktisch?

Deswegen habe ich mich entschlossen, dem Thema mal einen etwas längeren Text zu widmen. Gerade als Einsteiger bekommt man oft die Möglichkeit des Selbermachens aufgezeigt. Doch was da für ein Rattenschwanz an Arbeit mit dran hängt und ob es sich überhaupt lohnt, wird oft verschwiegen. Also hier meine ehrliche, auf sehr vielen Erfahrungen beruhende Meinung zum Thema „Gewandung selber nähen“.

Anmerkung: Der Text richtet sich größtenteils an Näh-Neulinge, die kaum oder gar keine Erfahrungen mit Nähmaschine und Co. haben. Wenn ihr also schon Profis im Nähen seid, treffen die meisten Punkte wahrscheinlich nicht auf euch zu.

Eine kleine Geschichte…

Fangen wir doch einfach mal damit an, wie ich zum selber nähen gekommen bin. Es muss so Mitte 2014 gewesen sein, da wollte ich wieder aktiv ins Mittelalter-Hobby einsteigen. Klamotte hatte ich zwar noch, aber irgendwie war das nicht so das Wahre. Kleid wollte ich auch nicht mehr tragen, also musste eine neue Gewandung her. Es gibt nur leider ein großes Problem, was fast alle Azubis mit sich rumschleppen: chronischer Geldmangel. Also mehr als 50€ war nicht wirklich drin und da geht’s bei den meisten Ausstattern preislich erst los.

Aaaber mein Papa hat mir irgendwann mal eine Nähmaschine gekauft. Ich weiß nicht genau, warum er das getan hat. Wahrscheinlich, weil alle Mädchen eine Nähmaschine brauchen (?) und das zur Aussteuer gehört? Ich weiß es nicht, auf jeden Fall hatte ich eine, auch wenn ich sie noch nie zuvor genutzt hatte.

Und dann kam auch schon der erste Stoffkauf. 3 Meter Leinen oder sowas. Und drei Tage später war das erste Teil fertig. Ich nenne es liebevoll „Sack mit Ärmeln“, denn als Oberteil war es so nicht tragbar.

Die zweite Tunika sah dann schon halbwegs tragbar aus. Und das erste Kleid, was ich danach genäht habe, wäre tatsächlich sogar fast getragen worden. Aber auch nur fast. So gut gefiel mir es dann doch nicht. (Mal schauen, vielleicht mach ich mal Fotos zur allgemeinen Belustigung)

 

„Haben“ ist nicht gleich „Können“

Was lernen wir aus Möhrchens kleiner Geschichte? Nur, weil ihr eine Nähmaschine besitzt, könnt ihr nicht automatisch nähen. Konnte ich auch nicht. Kann ich vermutlich jetzt noch immer nicht perfekt. Nähen ist wie jedes Handwerk. Man muss üben, üben, üben. Und irgendwann hat man halbwegs schöne Ergebnisse. Bis dahin vergeht einige Zeit. Ich habe das „Glück“ gehabt, dass ich zu dem Zeitpunkt lange krankgeschrieben war. So konnte ich mich wirklich jeden Tag hinsetzen, YouTube-Videos gucken und Bücher lesen (und vor allem nähen), sodass es relativ fix ging.

Das ist in meinen Augen der wichtigste Punkt der Frage, ob „Gewandung selber nähen“ wirklich in Betracht gezogen werden sollte. Habe ich Zeit (und vor allem Lust) mich näher mit dem Nähen zu beschäftigen? Möchte ich das Lernen? Oder mache ich das nur, um Geld zu sparen? Falls eure Antworten jetzt eher „Nein, Nein, Ja!“ lauten würden – Lasst es! Ihr erspart euch eine Menge Ärger.

 

Und mit Ärger meine ich: Nähte auftrennen, gebrochene Nadeln zusammensammeln, falsch zugeschnittene Stoffteile weinend in den Müll stopfen… so Anfängerfehler halt. Aber glaubt mir… es wird besser, junger Padawan. Irgendwann macht das Ganze sogar Spaß!

Die Einstiegskosten

So, da wir nun das Problem mit dem Haben und dem Können erläutert haben… Kommen wir doch mal zu den eigentlichen Einstiegskosten. Sprich, was ihr benötigt und was das kostet. Denn wenn man sich schon dazu entschließt, das Nähen zu lernen, benötigt man auch eine kleine aber feine Grundausstattung.

Natürlich kommt es in erster Linie darauf an, ob man mit der Hand oder der Maschine nähen möchte. Ersteres ist günstiger, dauert aber deutlich länger. Ist dafür aber auch authentischer. Bei der zweiten Variante kommen natürlich die Kosten für die Nähmaschine drauf. Also wäre es auch hier ganz schön teuer für nur eine Gewandung. Hier also eine grobe Rechnung:

Variante 1: mit der Hand nähen

 Packung Nähnadeln 2€
Garn zum Nähen 3€ – 10€ (je nach Anspruch und Material)
Schneiderschere 10€ – 15€
 Schneiderkreide  2,50€
 Papier für das Schnittmuster  0€ (altes Zeitungspapier) – 5€ (Schnittmusterpapier)
 Stecknadeln  4€

Gesamtkosten: 21,50€ – 38,50€ (ca. Wert)

Von dem Geld könnt ihr schon fast eine billige Tunika kaufen… bei der Nähmaschinenvariante ist es noch extremer:

Variante 2: Nähmaschine

 Nähmaschine 90€ – 150€
Nähmaschinengarn 2€
Nadeln 3,50€
Schneiderschere 10€ – 15€
Schneiderkreide 2,50€
Papier für das Schnittmuster 0€ – 5€
Stecknadeln 4€

Hier sind wir gleich mal bei Einstiegskosten von 112€ – 182€, vorrausgesetzt, ihr habt nix davon im Haus. Puh… das ist eine Menge Geld. Also gilt auch hier wieder: Wer es nicht macht, weil es ihm Spaß bringt, sollte es lassen.

Die Materialien

Gut, wir gehen jetzt davon aus, dass ihr total motiviert seid, und demnächst eure eigene Gewandung selber nähen wollt… Ihr habt eure Grundausstattung – Weiter geht’s mit den eigentlichen Materialien. Her mit dem Stoff… sozusagen.

Macht jetzt bitte nicht den Fehler und kauft den billigsten Baumwollstoff, den ihr finden könnt. Also gut, für die ersten drei Übungsteile vielleicht schon, aber für die „richtige“ Klamotte nicht. Bitte nicht. Ihr müsst es so sehen: Ihr investiert Zeit und Geld, Geduld, Nerven, Blut, Schweiß und Tränen in die Sachen. Da habt ihr bessere Qualität verdient, als ihr von der Stange bekommt. Leinen und Wolle sind das Stichwort (warum ihr auf Natur setzen solltet, könnt ihr bei den „7 Tipps für die erste Gewandung“ nachlesen). Wir liegen da preislich bei +- 10€ für 1lfm (1m x 1,50m) Leinen und ca. (!) 20€ für 1lfm Wollstoff. Nach oben ist alles offen, manchmal findet man auch das eine oder andere Schnäppchen und kommt günstiger weg.

Bei ca. 3m Stoffverbrauch für ein Kleid sind wir also bei grob 30€. Yeah, wir sind an dem Punkt angekommen, an dem sich die ganze Mühe lohnt! Ok, man bekommt einfache Baumwoll-Kleider schon ab ca. 40€ aaaaber die sind aus Baumwolle. Ihr habt sozusagen die Luxusvariante aus Leinen. Cool, oder?

 

Klar, es ist nicht so bequem wie auf zwei Knöpfe zu drücken und seine PayPal-Daten einzugeben. Was man nicht mit Geld kauft, kauft man mit Zeit. Ist immer so. Aber es ist ja auch ein schönes Gefühl, seine selbstgemachte Kleidung zu tragen und einfach mal Stolz auf seine Arbeit zu sein. Und das ist mehr wert, als das gesparte Geld.

Fazit:

Ja, es ist günstiger, seine Gewandung selber zu nähen. Vorrausgesetzt:

  • Ihr habt die Ausrüstung
  • Ihr könnt (halbwegs) nähen
  • Ihr habt Spaß an der Sache

Ich persönlich sehe das Nähen immer als „Hobby im Hobby“. Man muss gewillt sein, es zu lernen, mit allen Misserfolgen und Unzufriedenheiten, die es mit sich bringt. Aber es macht unglaublich Spaß! Und das ist für mich das, was zählt. Das gesparte Geld ist ein netter Nebeneffekt, erfahrungsgemäß fließt selbiges aber in neue, coolere Näh-Gadgets 😀 Ein Teufelskreis. Also irgendwie schon günstiger – aber irgendwie doch nicht. Auf jeden Fall individueller, kreativer und herausfordernder, als „Gewandung auf Knopfdruck“.

Wie seht ihr das? Näht ihr eure Gewandung selbst? Und wenn ja, aus welchem Grund? Warum habt ihr damit angefangen? Und ist es für euch auch ein „Hobby im Hobby“? Ich bin gespannt, auf eure Meinungen zu dem Thema.

Bis dahin, viel Spaß bei den evtl. ersten Nähversuchen!

Möhrchen

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10 Gedanken zu „Ist selber nähen wirklich günstiger?

  1. Marie

    Hallo,
    ich nähe den größten Teil meiner Larp-Sachen selbst. Dabei bin ich auf keinen Fall ein Profi. Meine Oma hat mir gezeigt, wie ich eine Nähmaschine benutze und ich habe ein paar Kleinteile genäht (da war ich vielleicht 10). Richtige Kleidungsstücke waren allerdings nicht dabei. Das hab ich mir dann in den letzten 3,5 Jahren selbst beigebracht.
    Meine Nähmaschine ist ein Erbstück von meiner Mutter und schlägt somit mit 0 € zu Buche (Nachfragen lohnt sich wahrscheinlich für Anfänger, eine nicht mehr benutzte Nähmaschine oder was zum Ausleihen und Üben findet sich wahrscheinlich recht oft). Ich hab auch ewig keine richtige Schneiderschere, sondern nur eine neue Haushaltsschere (von Aldi/Lidl), die ich nur für Stoff genommen habe, benutzt. Für Schnittmuster, Probeteile und Leibwäsche/Futter lohnt sich der Baumwollstoff „Bomull“ von Ikea. Günstig, ungebleicht und einfach in der Verarbeitung. Ansonsten gibt es vernüftigen Leinen- und Wollstoff auch online. Da kommt man dann mit etwas weniger hin (Leinen 7-9 € pro m und Wolle 15-19 € pro m).

    Manche Sachen gibt es natürlich nicht einfach von der Stange, da müssen dann Anfertigungen her, die dementsprechend teuer sind. Ich bin auf jeden Fall für das Selbermachen und tue mich dafür auch oft mit weniger nähaffinen Freunden zusammen. Meine Larptaugliche Unterwäsche und das kuschelige Flanellnachthemd möchte ich jedenfalls nicht mehr missen 🙂

    • Huhu Marie und Danke für den tollen Kommentar,
      Ich stimme dir voll und ganz zu – günstiger geht immer. Die Auflistung der Einstiegskosten basieren tatsächlich auch eher auf den normalen Einzelhandelspreisen. So grob angepeilt. Mir ging es auch gar nicht so sehr darum zu zeigen, dass der Nähstart extrem teuer ist. Es sollte eher deutlich machen, dass reine Materialkosten beim Nähen nicht ausreichen. Ich musste beispielsweise erstmal ein neues Bügeleisen kaufen. Und wenn ich jetzt nur nähen würde, um Kosten zu sparen, wäre die Rechnung nicht mehr aufgegangen. Ok, das war jetzt vermutlich verwirrender ausgedrückt, als es sein sollte. Kurzum: Wenn man Interesse hat und es Spaß, ist man auch bereit, diese „Zusatzkosten“ aufzubringen. Óder sich was Günstigeres zu suchen.
      Ich bin auf jeden Fall total deiner Meinung – Selbermachen ist super und ich könnte mir tatsächlich nicht mehr vorstellen, Klamotten „von der Stange“ zu kaufen!
      Liebe Grüße
      Möhrchen

  2. Geizhals

    Hey, und erstma dickes Lob – ich les schon ne Weile still mit und find du hast immer interessante, gut formulierte und lesenswerte Artikel – da freut man sich jedes Mal wenn wieder was neues auftaucht.

    Ich bin vor …6 Jahren oder so? über Marktmittelalter ans Nähen gekommen, hab seither aber auf Larp umgeschwenkt und bin passionierter Vertreter der Selbermach-Mafia und selbsternannter Geizhals, schlicht und einfach weil ich nicht einsehe irgendwelchen Shops hunderte Euro in den Rachen zu werfen für Artikel von der Stange wenn ich für weniger Geld unter Aufbringung von Zeitaufwand etwas individuelles haben kann; und weil es für manche Rollen einfach nix gescheites von der Stange gibt – da muss man dann halt selber ran.
    Nähen ist absolut ein Hobby im Hobby – gefühlt ist es bei mir sogar mehr Hobby als das eigentliche Hobby weil ich mehr Zeit mit nähen als mit Larp oder Mittelalterveranstaltungen verbringe;
    und es ist auch eine wirklich riskante ‚Einstiegsdroge‘ – wenn man einmal anfängt erfolgreich Dinge zu nähen und zu basteln wuchert das Verlangen danach immer weiter und eh mans sich versieht näht man Lederkram, mixt Seifen und Liköre, baut Holztruhen und Laternen und hat nen vergipsten Schaumstoffaltar bei seinen Eltern unterstehn und würd am liebsten noch mehr und mehr und mehr baun und basteln und tun und schaffen…
    Also Vorsicht liebe Kinder – Mittelalterkram führt zu nähen, nähen führt zu mehr nähen und irgendwann zu immer mehr und mehr Hobbies und diese zu einem sehr vollgestopften Zimmer. Und Keller.

    Ich find auch du hast grundlegend absolut recht – Selber nähen ist immer einfach gesagt, aber es will dann ja auch gemacht werden, und dafür braucht man Zeit und bisschen Geduld, grad wenn man noch nie ne Nadel in der Hand hatte, geschweige mal an ner Nähmaschiene saß – am Ende kommt man also nicht zwingend günstiger bei rum.
    Aber man sollte sich – sagste ja auch – nie entmutigen lassen; und im Zweifel kann man selbst mit der verhauensten Tunika noch irgendwas anfangen.. und wenn man se zerreißt und flickt und ne Bettlerkluft draus macht – oder Verbände für die mit Kunstblut übergossenen Krieger (kommt immer gut, wenn man sich den Tunika Ärmel abreißt um wem ne ‚Wunde‘ zu verbinden) – oder man macht Beutelchen draus, oder nen blöden Hut – man kann nie genug blöde Hüte haben; auch verhauene Sachen sind also nie ganz verloren.

    Nähkenntnisse sind meiner Erfahrung nach aber nichma nötig anfangs – beziehungsweise:
    ‚Du kannst 2 Stücke Stoff zusammen pinnen und eine Nadel so durch sie stecken dass sie zusammen hängen? Glückwunsch – Nähgrundlagen gegeben!‘ – genau mit der Grundlage bin ich vor nen paar Jahren gestartet.
    Ja – das erste was man näht ist dann sicher nicht hübsch, aber für sowas gibts ja billigst-Baumwolle vom Möbelhaus, alte Bettlaken o.ä. an denen man sich erstmal austoben kann für den ersten Versuch – aber hey, schon das dritte Ding was man näht kann so lang halten bis es dank Materialermüdung kaputt geht und nicht weil die Naht räudig war (in dem Fall ne Hose, hat fast 4 Jahre überlebt)

    Und Rat an alle Anfänger: startet mit Früh-Mittelalter/Wikinger Sachen und /oder einfacher Darstellung (Bauern, Handwerker,..). Es gibt nichts gnädigeres als Schnittmuster aus Rechtecken und vielleicht ein optionales Dreieck hier und da. Ist vielleicht nicht so schnittig, aber für den Anfang perfekt.

    Was die Start-Ansprüche ans Material, grad fürs Handnähen, angeht, find ich hast du die doch ein wenig zu hoch ansetzt – man kann zwar (natürlich) auch immer mehr Geld ausgeben (bei manchen Sachen ist es ja auch besser, grad wenns nen deutlicher Qualitätsunterschied ist – da ist billig dann oft doppelt gekauft) – aber grad Verbrauchsmaterial wie Nadeln und Co ist in der Regel doch schon sehr günstig zu bekommen, deswegen hier, ungefragt, möglicherweise unerwünscht, in jedem Fall aber ausprobiert und (von mir) für ok befunden:

    Geizhalses lustige Spartips

    Ich weiß nicht ob das ein bisschen Regionsabhängig ist, aber kleine Packungen mit ~20 Stick/Stopf/Nähnadeln bekommt man hier in vielen Billig-Läden für 99cent, ebenso kleine Dosen mit Stecknadeln, wobei die ohne bunte Plastikköpfe nochma was günstiger sind weil man pro Packung mehr Nadeln bekommt (quasi 100 statt 50… oder 200 statt 100?…keine Ahnung – idr aber das Doppelte)

    Und wenn man eh erstmal startet und überhaupt rausfinden will ob Nähen was für einen ist muss man – meiner Meinung nach – auch erstmal nich viel Geld in Schneiderschere, -Kreide und Co investieren, vor allem wenn man nicht mit soo feinen Stoffen arbeitet. Ich kann da für Sparfüchse und Geizhälse die günstigen Näh/Bastlescheren von den großen Discountern empfehlen – da kostet ne Packung mit 2 großen und 2 kleinen Scheren in der Regel irgendwas um die 5€ und damit ist man erstmal bedient.
    Und statt Schneiderkreide nehm ich einfach Buntstifte zb. bei dunklen Stoffen; weiß, hautfarben oder gelb klappen da ganz gut – und auf helleren Stoffen sieht man idr dunklere Buntstifte, Bleistifte, Kohlestifte o.ä. super. Und wenn man die Kante eh doppelt umklappt weil es ein sehr fransender Stoff ist; oder man das Kleidungsstück eh füttert und es keiner je sehn würde, könnte man – natürlich reiiiin hypothetisch, noch nie aus Frust gemacht, ehrlich – die Schnittmuster auch mit Kulli oder Edding-Marker auf den Stoff malen. (Klar sollte man vorher testen ob der Stoff die Farbe ggf sehr in sich aufsaugt und se verläuft – grad bei Woll- und Strickstoffen könnte das passieren)
    Kurz: Irgendwas womit man Dinge auf Stoff malen kann hat vermutlich jeder zuhause. (….mit all den Nähexperten die jetzt im Grab rotieren könnt ich vermutlich ne Kleinstadt mit Strom versorgen)

    Und als Papier für Schnittmuster (wenn man jetzt nicht das Glück hat ständig genug Zeitung zu bekommen) kann ich diese großen…. 40cm x 30m… 50m? Rollen empfehlen die man u.a. bei nem großen skandinavischen Möbelhaus für 4€ bekommt. Damit ist man erstmal ne weile versorgt. …oder man hat vielleicht noch ne alte Rolle Tapete rumliegen die man nichtmehr braucht – tuts auch.

    Und weil ich grad so lustig am Empfehlen bin – fürs Handnähen ist Leinengarn ausm Klöppelei Bedarf super – gibts in zig Farbe, verschiedenen Stärken und Lauflängen und ist echt stabil, ich hab damals für meine Garne 3.60€ oder so, pro Rolle bezahlt – eine reicht für min. 3 Kleidungsstücke in der Regel (ich weiß jetzt aber auch nicht mehr Lauflänge bei den Rollen… warn aber einige Meter)

    Was auch super klappt: Schnorren – seis bei Eltern, Großeltern oder ggf Freunden die schon im Hobby sind – irgendwer hat sicher Nadeln und Garn und ne Schere – und vielleicht auch Bock sich mit einem hin zu setzen und gemeinsam zu nähen. (Grad an Nähmaschienen zum ausprobiern kommt man so auch mal – irgendwer in der Familie hat doch eigentlich immer eine; und mit wem dabei der einem das Teil erklärt gehts auch gleich viel schneller)
    Oder man packt sich nen paar Freunde, überzeugt die das Mittelalter, Larp und Co ganz toll sind, und kauft den Grundstock fürs nähen gemeinsam – dann teilen sich manche Kosten auch wieder auf, zwar nicht nennenswert, aber hey – is man gleich auch durch Gruppenzwang motiviert zum nähen.

    Man kann also auch mit ~ 10€ schon alle Materialien haben die man für erste Nähversuche braucht.

    Womit du aber auf jeden Fall recht hast – man muss Spaß dran haben. Und Zeit mitbringen – unglaublich viel Zeit. Wenn man da teilweise hoch rechnet wie lang man an einem Kleidungsstück gesessen hat, seis weils knifflig war oder man UNBEDINGT alle Borten selber besticken musste… autsch. Dafür kriegt man dann aber Charaktere teilweise schon für unter 50/100€ einmal komplett Grundausgestattet (Preis richtet sich was nach der Komplexität und den Materialien – is ja klar)
    Aber wenn man Bock auf Handarbeit hat und was selbstgemachtes zu haben das so keiner sonst hat, dann ists egal wie viel Zeit man rein steckt – es lohnt sich.

    Aber wenn man keine Zeit hat, oder einfach keinen nerv sich Abende lang hin zu setzen und Dinge zu nähen – dann ist kaufen ein absolut legitimer Schritt. Und auch an gekauften Klamotten lässt sich noch viel selbst individualisieren; seis indem man se neu einfärbt, bestickt, Borten drauf pappt, etc etc.

    Ich hoffe der Post ist jetzt nicht zu lang geworden – und kommt vor allem nicht blöd rüber; als wer die ohne so gut wie alles an Material und Ahnung angefangen hat weiß ich nur wie demotivierend son ‚du brauchst daaas alles‘ damals gewesen wär für mich – deswegen der kleine ‚es geht auch noch billiger und manches braucht man nich zwingend‘ Exkurs.

    ich freu mich auf jeden Fall schon auf deinen nächsten Blogbeitrag 🙂

    Viele liebe Grüße

    • Huhu, Wow, erstmal vielen lieben Dank für den tollen, ausführlichen Kommentar! Es ist lustig, Nähen war auch meine „Einstiegsdroge“ 😀 Seitdem versuche ich auch so viel wie möglich selbst herzustellen. Und klar, die „Einstiegskosten“ sind sehr individuell. Mir ging es tatsächlich mit den Listen auch eher darum, ein „Bewusstsein“ dafür zu schaffen, dass der reine Materialwert ne totale Milchmädchenrechnung ist, da es halt noch ein, zwei, drei (und später dann tausend) Dinge gibt, die man zum Nähen benötigt und die alles einfacher machen. Und wenn man überhaupt kein Spaß am Nähen oder den ersten Versuchen hat, bringen diese Anschaffungen rein gar nichts.
      Auf die Idee mit dem Gemeinschaftsnähen bin ich noch gar nicht gekommen! Ist auf jeden Fall auf meiner „Muss-ich-unbedingt-mal-machen-Liste“. Zumal das Ganze dann wesentlich geselliger und lustiger wird.
      Wie gesagt, vielen vielen Lieben Dank für den Kommentar. Ich freue mich immer, wenn ich andere Meinungen und Ergänzungen lesen darf. Das ist ein ziemlich cooler Gedankenaustausch, der super viel Spaß macht!
      Liebe Grüße
      Möhrchen

      • Geizhals

        Tja – Nähen ist halt ein furchtbarer Fluch der einen immer tiefer in die Welt der Handarbeit zieht, heute nähen, morgen sticken, übermorgen nadelbinden und eh man sich versieht hat man mehrere Säcke Fellreste im Zimmer stehn weil man dachte ‚ich leg keine 200€ für ne Felldecke hin – ich puzzel mir eine eigene!!‘ 😀
        Furchtbar.

        Und ja, da haste schon recht – nur nach den bloßen Stoffkosten sollte man nicht gehen als Argument fürs selber machen, weil klar – damits ordentlich aussieht braucht man ggf. noch Zubehör wie Schrägband, man will Sachen vielleicht verzieren und muss dafür Stickmaterialien sich zulegen, etc etc.

        Gemeinschaftsnähen kann ich nur empfehlen – im besten Fall ist es produktives spaßiges Nähen wo man sich gegenseitig unterstützt, oder Aufgaben die man nicht mag auf wen abdrückt der absolut drauf steht und dafür macht man dann was was der oder die nicht leiden kann für den, – im schlimmsten Fall ein totales Nervenchaos (vor allem wenn man in der Nacht vor einer Con noch die halbe Klamotte zusammen tackern muss) mit übermüdeten Teilnehmern die ihre Hosenbeine nichtmehr finden und morgens um 3 minutenlang ratlos herum stehen und sich verhalten als hätte sich das innere Betriebssystem grad aufgehängt und sie müssten mental rebooten. In jedem Fall also ein enormer Zugewinn an Erfahrungen, egal ob best case oder worst case auftritt 😉

  3. Ich bin gerade durch Pinterest auf deinen Blog gestoßen. Da werde ich sicher noch mehr lesen ☺
    Selber nähen ist für mich das einzig wahre wenn es um die Lagerei geht. Meine Darstellung ist grob A (leider nicht viele nachschlagewerke) und ich Nähe von Anfang an eine Mixtur aus Maschine und Hand. Das heißt alles sichtbare von Hand, innennähte mit der Maschine. Für mich ein guter Kompromiss.
    Als ich mit dem Hobby angefangen hab konnte ich bereits gut nähen und hatte somit auch keine Probleme.
    Inzwischen ist nähen für mich eine richtige Droge. Eine Woche ohne Nähen ist für mich verloren.
    Lg
    Regina

    • Huhu liebe Regina,
      ich freue mich, dass dir mein Blog gefällt 🙂 Die Mischung aus hand- und maschinengenäht mache ich tatsächlich auch. Einfach, weil ich meine Handhähte als nicht so stabil wie gewünscht betrachte 😀 Ich habe mich auch mal auf deinem Blog umgesehen. Ich denke, über so ein Katzenkissen wird sich mein kleiner Kumpel auch freuen. Das wird definitiv nachgemacht 😀
      Liebe Grüße und einen schönen Abend wünsche ich dir!
      Möhrchen

    • Hey Tasos,
      Vielen Dank für’s Weiterempfehlen! Da ich den Larpboten sowieso total gern lese, ist das für mich gleich doppelt so toll. Vielen vielen Dank dafür.
      Liebe Grüße
      Möhrchen

  4. ChrisDab

    Hallo,
    toller Artikel und gerade zur rechten Zeit. Ich würde mich nämlich gerne am nähen versuchen – nicht, um Geld zu sparen, sondern weil ich einfach gern alles selber mache. Werde mich jetzt weiter durch Deine Seite arbeiten. Nähmaschinen gibt es auch günstiger – mich lacht zur Zeit eine mit Fußantrieb an…

    Liebe Grüße und weiter so

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